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Geschichte der
Marienkirche |
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Luftaufnahme
In
die enge Bebauung der
Hanauer
Altstadt
wurde
im Mittelalter die
Marienkirche
eingefügt.
Heute liegt sie am
Rand des Stadtzentrums.
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13 Jh. Wahrscheinlicher Gründungsbau, einschiffig, romanisch
1316 urkundlich das erste Mal erwähnt
1448 Turmbau - 1568 Oberbau vollendet
1449-54 Vergrößerung der Kirche. das Langhaus wird dreischiffig.
der Chorraum vergrößert
1451
erste Beisetzung - Graf Reinhard II. von Hanau
1480
erste große Glocke (36 Zentner)
1485-92 der hochgotische Chorraum, so wie er noch heute erhalten ist.
wird errichtet: Lettner, 9 Altare
1496
Chorgestühl gestiftet.
heute noch 4 Chorstuhlwangen erhalten
um 1500 bunte Chorfenster, die zum überwiegenden Teil
dem Meister WB zugeschrieben werden
1558-61 Erhöhung der Seitenwände des Schiffes um 3-4 m bis zum
Chordach - Grabsteine in den Chorraum gestellt
1572 Wächterstube im Turm - bis 1896
1595 Altare und Bilder werden entfernt
1602
die heutige Gruft wird angelegt. 1642 erweitert
1696-97 Barockorgel - im Chorraum - des Hanauer Orgelbauers
Valentin Marckart
1709 4 neue Glocken (de 65 Zentner schwere ist noch heute vorhanden)
1847-49 Restaurierung ohne Rücksicht auf frühere Erscheinungsbilder
1847 letzte Beisetzung: Wilhelm II., Kurfürst von Hessen
1929 Letzte Renovierung vor der Zerstörung
1945 Zerstörung des Kirchenschiffes und des gesamten Dachbereichs
in Luftangriffen. das Chorgewölbe hält stand
1961 Ende des Wiederaufbaues (Prof. Karl Gruber)
in der heutigen Form
1975
Renovierung
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Als
Hanau 1303 zur Stadt erhoben wurde, besaß der Ort schon eine romanische
Kapelle, viel kleiner als die heutige Kirche. Wann die Kapelle erbaut wurde,
ist unbekannt. 1316 wird sie jedenfalls urkundlich erstmals erwähnt. Sie war
damals Filialkirche der älteren Pfarrkirche Unserer Lieben Frauen im
Kinzdorf, südlich des damaligen Hanau.
Der Pfarrer des Kindzdorfes hatte die geistliche Verantwortung für seine
dortige Pfarrkirche, die Maria-Magdalena-Kapelle in der Stadt Hanau, die
Martins-kapelle in der Burg Hanau und die Elisabethkapelle im Hospital in
der ersten Hanauer Vorstadt. Er bildete mit seinen Kaplänen eine
Priestergemeinschaft für die Parochie Hanau. Für 1364 sind fünf Kapläne
nachgewiesen.
Das Abhängigkeitsverhältnis von der Kinzdorfer Mutterkirche änderte sich
erst 1434: Graf Reinhard II. erwirkte für die Maria-Magdalena-Kapelle
pfarr-kirchliche Rechte. Er erließ eine Gottesdienstordnung für die
Geistlichen, die unter anderem täglich Messen und Vespern an den zahlreichen
Altären wahrnahmen. Damit hatte sich der kirchliche Schwerpunkt vom Kinzdorf
nach Hanau verlagert. Außerdem stattete der Graf die Priester besser aus und
legte dies in einer neu geschaffenen Präsenzordnung fest. Jeder Priester,
der die gottesdienstlichen Pflichten an dem ihm zugewiesenen Altar
regelmäßig versah (das heißt „präsent“ war), erhielt dafür ein Entgelt. Die
Einkünfte der Präsenz - Naturalien oder Geld – bewirtschaftete ein
Präsenzverwalter. Die Präsenz besteht noch heute, besitzt Liegenschaften aus
altem Pfründenbesitz und unterhält mit deren Einkünften baulich die
Marienkirche.
Graf Reinhard II. vergrößerte und verschönert die Hauptkirche seiner
Residenzstadt und wählte sie auch als neue Grablege für seine Familie, deren
Mitglieder zuvor im Kloster Arnsburg bestattet worden waren. Als erster der
gräflichen Familie wurde darin Graf Reinhard II. 1451 beigesetzt. Von 1451
bis 1612 war der Chor Begräbnisstätte des Hanauer Grafenhauses. Die Gräber
wurden ins Erdreich unter den Bodenplatten des Chores eingetieft
Ab
1612 fanden die Bestattungen in einer 1602 errichteten Gruft, die sich
ebenfalls unter dem Chor befindet, statt.
Graf Reinhard II. ließ die bis dahin einschiffige Kirche dreischiffig
erweitern. Das Kirchenschiff erhielt damals seinen heutigen Umfang. Der
Umbau des Schiffes begann 1449. Eine entsprechende Inschrift befindet sich
über einer zugemauerten Spitzbogentüre an der Außenseite der Südwand des
südlichen Seitenschiffes. Die Arbeiten wurden 1454 abgeschlossen.
Auf Letzteres weist eine Jahreszahl über der Türe auf der Nordseite hin. Die
Apsis wurde ebenfalls vergrößert. 1448 wird mit dem Bau des heute noch
vorhandenen Turmes begonnen. Er erhielt 1480 die erste große Glocke (36
Zentner). Sie war in Schweinfurt zum Preis von 360 Gulden hergestellt
worden.
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Blick in den Chor
Der beeindruckendste Teil der Kirche ist der spätmittelalterliche Chor. Das
Gewölbe hat die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges unbeschadet überstanden.
Hier befinden sich Grabsteine aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit
sowie wenige Reste des mittelalterlichen Chorgestühls.
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Die heute noch prägendste Veränderung an der Kirche führte Graf Philipp I.,
der Jüngere, durch. Im Jahr 1485 von einer Reise ins Heilige Land
heimgekehrt. Mit vielen Anregungen von unterwegs, gab er einen Chor mit
erstaunlichen Dimensionen in Auftrag, der das angrenzende Kirchenschiff weit
überragte. Vermutlich war der Chor nur als erster Bauabschnitt gedacht.
Durch die dann bald einsetzende Reformation kam es nicht mehr zu einer
entsprechenden Erweiterung des Kirchenschiffes. Der Chor weist eine Länge
von 22 m, eine Breite von 10 m und einer Höhe von 16,4 m auf. Er wird von
vier Jochen und einem 5/8-Schluss gebildet. Ins Auge fallen die Sockel und
Konsolen der Dienste im Chor. Sie entsprechen den Eckstrebepfeilern auf der
Außenseite. Früher reich gemeißelt, wurden sie 1945 teilweise zerstört und
beim Wiederaufbau durch nicht gestaltete Steine (Bossen) ersetzt.
10 aufstrebende Pilaster
nehmen die netzförmig sich entfaltenden Rippen auf, die das Gewölbe zieren,
und laufen am östlichen Ende in einem Stern zusammen. Alle Schlusssteine
sind als gehauene und bemalte Wappen der Familie des Erbauers, Graf Philipp
I., dem Jüngeren, und seiner Frau Adriana von Nassau-Dillenburg (*1449 -
†1477), gestaltet. Die seitlichen Punkte der Gewölberippen schmücken
kleinere Wappen und die Felder zwischen dem Netz füllen gemalte Ranken,
Blüten und die Strahlen. Der Gesamtentwurf stammt wohl von Siegfried Ribsche
die Ausführung von den Steinmetzen Meister Hans Merckel und Meister Martin.
Der Schlussstein des Sterns zeigt die Kirchenpatronin Maria Magdalena, wie
sie vor dem auferstandenen Christus als dem vermeintlichen Gärtner
niederkniet.
Als 1492 der prächtige
Chor vollendet war, beherbergte die Kirche fünf Altäre (nach anderen
Überlieferungen sogar neun). Der Hochaltar war Maria Magdalena geweiht. 1496
wird das Chorgestühl gestiftet. Von ihm sind heute noch vier Chorstuhlwangen
erhalten. Die nördlichen zeigen Graf Reinhard IV. (*1473 - †1512) und seiner
Gemahlin Katharina von Schwarzburg-Blankenburg (* 1470 - † 1514), die einzig
erhaltene südliche Graf Philipp I., den Jüngeren, - mit der
Errichtungs-inschrift - und an
der Innenseite das Fragment eines Heiligen Georg.
Aus dieser Zeit stammen auch die farbigen, spätmittelalterlichen Fenster im
Chor, die zum überwiegenden Teil dem Meister WB zugeschrieben werden.
Parallel zu der baulichen Erweiterung wurde die Kirche zu einem
Kollegiatstift mit insgesamt 12 Klerikern unter der Führung eines Dechanten
erhoben. Graf Philipp I., der Jüngere, starb 1500. Nicht weniger als 214
Geistliche sollen seiner Beisetzung in der von ihm erneuerten und
vergrößerten Kirche beigewohnt haben.
Gleichzeitig mit dem Chor
wurde an dessen Südseite die kleine, dem Heiligen Laurentius geweihte
Kapelle angebaut. Der Heilige ist im Schlussstein dargestellt. Sie diente
ursprünglich als Kapitelhaus der Stiftsgeistlichen, heute als Sakristei. Sie
ist mit Fresken geschmückt, die erst nach der Zerstörung von 1945 wieder
entdeckt wurden, als sie unter abblätternder Tünche zum Vorschein kamen. Sie
stellen das Martyrium des heiligen Laurentius und die Ärzte und Heiligen
Kosmas und Damian dar. Ein weiteres Fresko zeigt die Heiligen Drei Könige
und zwei heilige Diakone.
Vermutlich ist die Kapelle
im Zusammenhang mit einem (letztendlich misslungenen) Reliquienkauf des
Grafen Philipp I., des Jüngeren, zu sehen. Er sammelte - wie viele Große
seiner Zeit - Reliquien. Vom Kloster Seligenstadt, das sich in einer
finanziellen Notlage befand, kaufte er dessen gesamten Reliquienbestand,
darunter das Haupt des Heiligen Laurentius. Wahrscheinlich war die Kapelle
als Aufbewahrungsort für die Reliquien gedacht. Der Erzbischof von Mainz
erhob aber Widerspruch gegen diesen Kauf und so musste Graf Philipp I., der
Jüngere, die Reliquien wieder in Seligenstadt abliefern. Als Kompensation
erhielt er dafür die Einkünfte des Klosters aus den Dörfern Nauheim,
Eschersheim und Ginnheim.
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Chordecke
Das Gewölbe des Chores zeigt neben
dem zentralen Schlussstein mit Christus als Gärtner und Maria Magdalena
verschiedene Wappen der
Grafen von Hanau und ihrer Verwandtschaft.
Das Kirchengebäude war im Sinn
des damaligen Verständnisses zugleich ein frommes Werk wie auch repräsentative Demonstration der herausgehobenen eigenen
Stellung des Landesherrn und seiner Familie.

Schlussstein
Der
zentrale Schlussstein im Chorgewölbe zeigt Maria Magdalena, die am Morgen
des ersten
Ostertages das Grab Jesu aufsucht.
Sie
findet es leer, begegnet dann dem auferstandenen
Christus und glaubt zunächst er
sei der Gärtner. Der Auferstandene hält einen
Spaten in der linken Hand. Maria Magdalena
ist als vornehme Dame des ausgehenden
15. Jahrhunderts dargestellt.
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Die Zeit als Stift währte
nicht lange. Das 16. Jahrhundert brachte die Reformation. Bereits 1523 wurde
Pfarrer Adolf Arborgast ins Stiftskapitel aufgenommen, der bei seiner
Berufung erklärte, dass er mit der täglichen Messe und Vesper möglichst
wenig zu tun haben wolle, weil er sich viel mehr der Predigt des Evangeliums
zu widmen gedenke. Sein Nachfolger, Magister Philipp Neunheller, ist der
eigentliche Reformator Hanaus. Unter seinem Einfluss gewannen die Neuerungen
immer mehr an Boden, sowohl in den Reihen der Stiftsherren als auch unter
den Gemeindegliedern. Der katholische Stiftsgottesdienst wurde nie offiziell
aufgehoben. Durch Ausscheiden von Geistlichen, deren Stellen nicht mehr neu
besetzt wurden, nahm die Zahl der Altaristen immer weiter ab. 1537 bestand
das Kapitel noch aus acht Geistlichen, 1548 waren es nur noch vier, 1550
hörte der Messgottesdienst in der Maria-Magdalena-Kirche auf. Es waren nun
zwei, später drei Pfarrer an der Kirche tätig, die sich der Reformation
verpflichtet fühlten.
Die nächste Etappe der
Baugeschichte der Kirche ist von den Erfordernissen der neuen
Gottesdienstform geprägt. Im evangelischen Gottesdienst steht die Predigt
vor der versammelten Gemeinde im Mittelpunkt. Deshalb ordnete Graf Philipp
III. 1558 den Umbau des Langhauses der Kirche zu einer Saalkirche an. Die
dreischiffige Unterteilung wurde beseitigt, die Außenmauern wesentlich
erhöht und das Kirchendach in seiner Höhe dem des Chores angeglichen. An den
Längsseiten wurden mehrstöckige Emporen für die Männer eingebaut, während
die Frauen im Schiff Platz nahmen. Für Professoren, Beamte und Ratsherren
gab es ebener Erde Stühle, die zum Sichtschutz gegen die Gemeinde vergittert
waren. Der herrschaftliche Stuhl befand sich auf der Stirnseite der ersten
Empore. Die flache Decke des Raumes stützten Säulen, die auch die Last des
Dachbodens zu tragen hatten. Dort wurden die Naturalabgaben aus den Pfründen
lagerten. Die Umbauarbeiten waren 1561 abgeschlossen. Davon zeugt das über
dem Haupteingang angebrachter Doppelwappen des Bauherren und seiner
Gemahlin, Pfalzgräfin Helene von Pfalz-Simmern. Der Turm wurde damals zu
seiner heutigen Höhe aufgestockt. Die Jahreszahl 1568 in einer
Fenstereinfassung gibt seine Vollendung an. In ihm war eine Wächterstube
eingerichtet, in der ständig ein Beobachter saß, der Brände in der Stadt zu
melden hatte, deren Richtung tagsüber mit einer Flagge und nachts mit einer
Laterne angezeigt wurde. Gleichzeitig läuteten in einem solchen Fall die
Glocken Sturm. Die Wächterstube war bis zum Jahr 1896 besetzt.
Die Reformation in Hanau
war ursprünglich eher lutherisch geprägt. In einer „zweiten Reformation“,
wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt. Graf
Philipp Ludwig II., wandte sich dem reformierten Zweig des Protestantismus
zu, machte von seinem Recht des „cuius regio, eius religio“ als Landesherr
Gebrauch und setzte diese Version der Reformation als verbindlich für die
Grafschaft durch.
Als äußeres Zeichen dieses
Konfessionswechsels wurden 1595 die mittelalterlichen Altäre abgebrochen,
Bilder, Schmuck und Kunstwerke aus der Kirche entfernt. Sie wurden zumindest
zum Teil verkauft. So ist einer der mittelalterlichen Altäre in der
katholischen Pfarrkirche in Wörth am Main erhalten geblieben. Ein Foto davon
ist heute an der östlichen Wand des südlichen Seitenschiffes der
Marienkirche angebracht. Die geschnitzten Teile des Chorgestühls, die
Grabdenkmäler und ein Teil der Glasfenster im Chorraum sind der letzte
verbliebene Rest der mittelalterlichen Ausstattung, der in der Kirche
erhalten geblieben ist.
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Im nun sehr leeren Chor baute man 1570 eine Chorbühne, eine im
Sockelgeschoss geschlossene Empore, ein, die die östliche Hälfte des Chores
abtrennte. Das Sockelgeschoss war mit Glasfenstern zum Kirchenraum hin
abgetrennt und beherbergte Bibliothek und Archivalien. Über 100 Jahre später
errichtete der Hanauer Orgelbauer Valentin Markart eine Barockorgel auf der
Chorbühne.
Das reich geschnitzte Gehäuse war zunächst ganz in Weiß und Gold gehalten
und erhielt später eine braune Tönung. Die Orgel als beherrschendes
Ausstattungsstück prägte den Chorraum bis zur Zerstörung 1945.
1602 wurde eine Gruft für das Hanauer Grafenhaus angelegt und 1642
erweitert. 1709 erhielt die Kirche neue Glocken (die 65 Zentner schwere ist
noch heute vorhanden).
Die Kirche nannte sich nachreformatorisch „Hochdeutsch reformierte Kirche“.
Den Namen Marienkirche trägt sie erst wieder seit dem Jahr 1818. Anlässlich
der damaligen Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinden in der
„Hanauer Union“ legten die Gemeinden die bis dahin geführten
Bekenntnisbezeichnungen ab und die beiden Altstadtkirchen wurden neu
benannt: Die ehemals Reformierte Kirche, die Marienkirche, wurde nach der
Landgräfin Maria von Hessen-Kassel (1723 - 1772) benannt. Sie ist in der
Gruft der Marienkirche beerdigt. Die ehemals lutherische Johanneskirche nach
dem Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen (1611-1656), der einst deren
Grundstein gelegt hatte.
1847 bis 1849 findet eine grundlegende Restaurierung der Kirche ohne
Rücksicht auf die historischen Erscheinungsbilder statt. 1847 wird Kürfürst
Wilhelm II. (Hessen-Kassel) von Hessen-Kassel hier beigesetzt. Es ist die
letzte Beisetzung innerhalb der Kirche.
1929 findet eine weitere Renovierung der Kirche statt.
Verschiedene Luftangriffe, vor allem aber die verheerende Zerstörung vom 19.
März 1945 legten die ganze Stadt Hanau ebenso wie die Kirche in Trümmer. Das
Schiff war bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt, ebenso der Turm, von
dem die Glocken geschmolzen herabstürzten. Nur das Gewölbe des Chores hielt
stand, obwohl das brennende Dach darauf zusammenbrach. So konnte diese
architektonische Kostbarkeit vor völliger Zerstörung bewahrt und später
wieder restauriert werden.
In
der zerstörten Kirche fanden 1946 archäologische Grabungen durch Hugo
Birkner statt. Die dabei geborgenen Grabplatten wurden zum größten Teil in
den Wänden des Kirchenschiffes eingelassen.
Nach den Plänen von Professor Karl Gruber wurden zunächst der Chor (1951),
der Turm (1954), das Schiff (1956) und schließlich das steile Dach über dem
Chor (1961) wiederhergestellt. Das Vordach über dem Eingangsportal im Westen
wurde 1963 angefügt. Der Innenraum des Schiffes wurde beim Wiederaufbau ohne
die umlaufenden Emporen gestaltet, so dass die ursprüngliche
Dreischiffigkeit im Kirchenschiff wieder erkennbar ist. Das Schiff erhielt
eine Flachdecke über Betonsäulen, die sich als Sandsteinsäulen tarnen. Die
Orgel wurde auf einer Empore an der Westseite aufgestellt, so dass der Chor
wieder frei in seiner architektonischen Schönheit wirken kann - wie
ursprünglich beabsichtigt. Die wenigen erhaltenen Kunstwerke, Kirchenfenster
und Chorwangen wurden wieder eingebaut, die Grabmäler restauriert. Pfarrer
Georg Göckel hatte während des Zweiten Weltkrieges vorsorglich alle
Kunstwerke sowie die meisten alten Kirchenbücher, die von 1593 an vorhanden
sind, sichergestellt und so vor der Vernichtung bewahrt.
Eine erste Renovierung in der Nachkriegszeit findet 1975 statt.
Der nicht mehr zufrieden stellende Zustand der Orgel, die 1956/57 und 1964
errichtet wurde, war Anlass für den letzten Umbau der Kirche in den Jahren
2002/03.
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Adriana
Adriana von Nassau,
verheiratet mit Philipp dem Jüngeren, der den gotischen Chor hat bauen
lassen, im Gebet auf ihrem Epitaph.
Die Figur sah genau auf den
mittelalterlichen Hochaltar der Kirche, der in der Reformation beseitigt
wurde. Adrianas steinernes Abbild sollte nach mittelalterlicher Vorstellung
ständig und ewig vor dem Altar für sie beten. Ihr Grabmahl ist das am besten
erhaltene in der Kirche.
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Die Orgelempore wurde völlig neu gestaltet, vor allem vergrößert,
um dort auch einen Chor oder ein Orchester platzieren zu können. Für den
neuen, höheren Prospekt der neuen Orgel wurde das Flachdach des Schiffes
durch eine gotisch gewölbte Decke ersetzt - vermutlich die erste gotische
Decke des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Von der Innenausstattung ist bemerkenswert: Am Chorbogen steht rechts der
Epitaph der Adriana von Nassau-Dillenburg (*1449 - †1477). Sie war mit Graf
Philipp I., dem Jüngeren, von Hanau-Münzenberg verheiratet. Die bemalte
spätgotische Bildhauerarbeit zeigt die Gräfin betend dem heute nicht mehr
erhaltenen Hochaltar zugewandt.
Der Altar der Kirche ist kein monolithischer Steinblock, vielmehr ist er als
Tisch gestaltet. Dies weist darauf hin, dass die Marienkirche vom Ende des
16. Jahrhunderts bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts eine reformierte Kirche
war. Dort wurde der klassische Altar durch den „Tisch des Herrn“ ersetzt,
den Tisch, an dem die Gemeinde zusammen das Abendmahl feiert.
An
der nördlichen Chorwand stehen - von links nach rechts - Grabdenkmäler:
-
Graf Reinhard III. von Hanau-Münzenberg (1452)
-
Graf Reinhard II. von Hanau-Münzenberg (1451)
-
Gräfin Adriana von Nassau-Dillenburg (†1477)
-
Graf Philipp I., der Jüngere, von Hanau-Münzenberg (†1500)
-
Engelbert Halber von Hegern (†1556) und seine zweite Gattin, Dorothea von
Oberkirch (†1591), vermutlich geschaffen von Hans Rodlein.
Neben der Konsole des Hegernschen Grabmals sieht man den Grundstein zum Chor
der Kirche (1585), dessen Inschrift heute allerdings bis zur Unkenntlichkeit
zerstört ist. An der südlichen Chorwand fanden zwei von Johann von Trarbach
geschaffene Renaissancegrabmale für Graf Philipp III. (†1561) und seine
Gemahlin Pfalzgräfin Helene von Pfalz-Simmern (†1579) Platz.
Westlich daran anschließend befinden sich vier leere Konsolen. Darauf stand
der kunsthistorisch bedeutende Epitaph des Grafen Philipp Ludwig I. (†1580),
eine bedeutende Schöpfung der Hochrenaissance. Nach seiner Zerstörung im
Zweiten Weltkrieg sind davon nur noch einige Bruchstücke erhalten, die im
Historischen Museum Hanau aufbewahrt werden.
Literatur
Reinhard Dietrich und Simone Heider-Geiß,
Die evangelische Marienkirche Hanau, Kassel 2001, ISBN 3-89477-925-X
Reinhard Dietrich,
Die Landesverfassung in dem Hanauischen = Hanauer Geschichtsblätter 34,
Hanau 1996. ISBN 3-9801933-6-5
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Gruft
Je näher man dem
Allerheiligsten, dem Hochaltar, war, so glaubte man im Mittelalter, desto
besser waren die Chancen, beim jüngsten Gericht einigermaßen ungeschoren
davon zu kommen.
Deshalb ließen
sich der Erbauer und seine Familie um den Hochaltar herum bestatten. Diese
Tradition überlebte die Reformation. In der Gruft der Marienkirche (nur bei
besonderen Anlässen zugänglich) stehen zahlreiche Särge der ehemals
regierenden Familie.
In dem Kupfersarg in der Mitte ruht Philipp Ludwig II.,
der Gründer der Hanauer Neustadt.

Kirche
1945
Auch
die Marienkirche wurde in den Bombenangriffen des 2. Weltkiegs bis auf die
Außenmauern und den Chor zerstört und in den 50-er Jahren wieder aufgebaut.
Sie teilte das Schicksal der Stadt. Ebenso nimmt ihre Kirchengemeinde auch
heute am Leben der Stadt teil und gestaltet es mit.
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